Schauer im Kellergewölbe

Teil 2 von 4. Wie im ersten Teil unserer kleinen Artikelserie erläutert, verbrachte die junge Grazer Autorin Stefanie Lindner zwei Tage auf Burg Finstergrün, einem besonderen Ort der Evangelischen Kirche in Österreich, um Ihnen diesen Ort detailliert vorzustellen.

Schauer im Kellergewölbe

Stefanie Lindner erzählt

Die Bezeichnung „finster“ trifft allenfalls auf den Beleuchtungszustand des Kellergewölbes der Burg zu, nicht aber auf die Stimmung, die unter den Gästen herrscht. Im schmalen Gang vor uns führen Stufen nach unten, wenige Kerzen spenden ein dürftiges Licht. Jeder Schritt muss exakt abgewogen werden, denn er führt immer mehr ins Dunkle. Die Treppe mündet in einen quadratischen Raum, dessen Steinwände mit einem feuchten Film überzogen sind. Das alte Gemäuer und der Erdboden unter meinen Füßen erinnern mich an den Keller des Bauernhofs meiner Großeltern. Auch hier hängen beeindruckende Stalaktiten wie lange, dünne Zähne von der Decke. Dafür ist der Temperaturunterschied zwischen Keller und dem Gebäude darüber verantwortlich. In der kühlen, feuchten Luft stehen wir dicht gedrängt und lauschen einer schauerlichen Geschichte über Finstergrün, die Manfred Perko im Rahmen seiner Burgführung erzählt.

Aus Gier ergraut?

Einst soll ein armer Jüngling in den Gemäuern der alten Burgruine einen Goldschatz entdeckt haben. Aus Bescheidenheit packte er gerade genug ein, um einen neuen Mantel damit zu bezahlen. Dieser Fund allerdings weckte die Abenteuerlust vieler Ramingsteiner. Einige Schatzsucher stießen auf ein Verlies, in dem sie Kostbarkeiten vermuteten. Doch als sie einen der ihren hinunterließen, trug sich in dem dunklen Loch etwas zu, von dem niemand jemals erfahren hat. Sowie sie den Wagemutigen hochzogen, sahen sie, dass er schlagartig ergraut war. Er brachte zwar einige goldene Schmuckstücke und einen Menschenknochen nach Oben, doch sprach er nie wieder ein Wort.

Heute regieren gute Geister

Neben dieser grusligen Geschichte kommt die Burg allerdings wie jede Burg, die etwas auf sich hält, nicht ohne guten Geist aus. Man nennt ihn zwar den „Finsterling“, doch er ist der gute Geist der Burg. Den Finsterling hat der Goldschmied Günter Guggenberger im Jahr 1981 „entdeckt“. Der Geist in Gestalt eines freundlichen Ritters mit Holzbein und Augenklappe schwebt durch die Gänge und hat es bis zum Logo und Maskottchen der Burg gebracht. 

Von Herrschaften und Gesinde

In der Vielfalt an Stiegen und Gängen der vier Burgtrakte verläuft man sich leicht, wodurch sich die Gelegenheit bietet, die zahlreichen Winkel und Kammern zu erforschen. Für Gäste des Hauses steht alles offen. Ich lande in der Küche, wo das freundliche Personal mir erlaubt, einen Blick in die Töpfe zu werfen. Ich bemerke erstaunt, dass hier immer noch auf einem feuerbetriebenen Herd gekocht wird. 

Als es Nacht geworden ist, versammelt sich die Geburtstags-Gesellschaft im Rittersaal, um mit Gesang und Spiel den Abend einzuleiten. Ein unauffälliger, schmaler Seiteneingang des Saales war früher für die Musikanten gedacht, die auf einer Empore Platz fanden, erzählt Manfred Perko. Dort sollten sie für die Herrschaften zwar hörbar sein, zugleich aber unsichtbar bleiben. Gespannte Stille erfüllt den Saal, denn beim Burg-Bingo warten alle auf jenes Wort, das auf ihrem Spielkärtchen steht: jeder Begriff führt zu einer weiteren Geschichte. Beispielsweise, dass die Empore leer bleibe, hinauf führt nur ein enger Gang, der für das Gesinde gedacht war, oder das Gesindel, was praktisch dasselbe bedeutete – die Herrschaft jedenfalls wünschte es nicht zu sehen. Oder: Um die zahlreichen Öfen der Burg mit Holz zu befeuern, mussten die Bediensteten durch höhlenartige Gänge kriechen, damit Gäste nicht durch ihre Anwesenheit und Tätigkeit gestört wurden. Von „Herrschaft und Gesinde“ zu hören, bemerke ich, entlockt nicht nur mir mehrfach ein ungläubiges Lachen. In diesem Moment bemerke ich auch, dass sowohl Gemeinschaftsgefühl wie auch der gegenseitige Respekt hier wie selbstverständlich spürbar sind und gerade deshalb die konsequente Trennung von Herrschaft und Gesinde heute undenkbar geworden sind.

Teil 3 unserer Artikelserie erscheint am kommenden Freitag, 17. Februar 2017.

Hier geht’s zu Teil 1 "Besuch auf Burg Finstergrün".
Hier geht’s direkt zur Burg Finstergrün.

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